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Sie nennen ihn den
einzigen NVA—Soldaten 
 OBERLANGEN. In Oberlangen nennen sie ihn
den einzigen NVA—Soldaten des Dorfes. 
Dabei hat Rudi Will nie in der DDR gelebt. 
Der 86-Jährige hat vor rund 20 Jahren
seine neue Heimat in Oberlangen gefunden.
Bis zu seiner Rente hat der gelernte 
Damen- und Herrenschneider in Berlin gelebt. 
,, Der Unterschied ist schon sehr groß, aber
hier in Oberlangen fühle ich mich sehr wohl“,
betont Rudi Will. So wohl, (lass er fast jedem
Verein des Ortes angehört. ,,Nur zwei
Vereine wollten mich nieht haben:
die katholische Frauengemeinschaft und
die Krabbelgruppe“, bilanziert der
Ex-Hauptstäder unter dem Geléichter
der anderen Dorfbewohner. Weil er
seinen erlernten. Beruf als Schneider in
keines der örtlichen Ehrenämter einbringen
konnte, ,,war ich anfangs hier nur fiir die
niederen Arbeiten zuständig bin aber als
Hilfsarbeiter gerne gesehen.“ Ob er
Oberlangen wieder mit Berlin tauschen
wolle? ,,Niemals.“ 
 
In Oberlangen wurde 
auf dem Klo gesungen.
Alt-Bürgermeister erinnert sich. 
DBERLANGEN. Oberlangen ist eins der schönsten
Dörfer Deutschlands und wurde dafür bereits mit
einer Goldmedaille ausgezeichnet. Goldverdächtig
ist aber auch der gute Zusammerr halt des Dorfes.
Wenn die Dberlangener unter sich sind, erzählen
sie die schönsten Geschichien Von Früher. Zu
diesen Geschichten geören viele Anekdoten aus
der Kindheit v0n Gerhard Raming-Freesen.
Der langiahrige Bürgermeister des Dorfes muss
schmunzeln, wenn er das alte Plumpsklo im
Heimathaus von Ober1angen sieht. ,,Genau so
ein Plumpsklo hatten wir früher auch zu Hause.
“ Das Klo war nicht etwa im Wohnhaus, sondern
im Kuhstall des Hofes untcrgebracht. Das war gar
nicht ungefahrlich. Denn gerade ftir Kinder bestand 
die Gefahr, dass sie beirn Toilettengang in die
Sanmlelgrube fielen. ,,Wenn wir auf dem
Klo saßen, mussten wir deshalb die ganze
Zeit laut singen, damit unsere Eltern wussten,
dass wir nicht in die Grube gefallen sind“,
lacht der Senior.  Und auch Heimatvereins-
vorsitzender Heinz Wahoff verrbindet mit
dem stillen Ortchen ganz eigene Erinnerungen
an seine Kindheit. ,,Wir Kinder mussten
 früher immer den Fortsetzungsroman
aus der Ems-Zeitung  ausschneiden und
auf dem Klo ablegen, damit unser Vater
was zu lesen hatte. Und wehe, wir hatten
das mal vergessen. Dann gab es Ärger‘, erinnert
sich Wahoff.  In Oberlangen gibt es Klos in
Kuhstallen heute nicht mehr. Schließlich hat auch 
die Zahl der Bauern deutlich abgenommen.
15 Vollerwerbsbetriebe gibt es heute noch im
Dorf. Vor 50 Jahren waren es viermal so viele. 

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So ein Plumpsklo kennt der ehemalige
Bürgermeister Gerhard Raming-Freesen
noch aus seiner Kindheit.

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