Gedenken an Befreiung des Lagers Oberlangen

 

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Oberlangen. „Ich hoffe, dass Sie am 70. Jahrestag einen Moment der Stille für die vielen wundervollen Menschen, die im Lager waren, haben.“ Diese Worte der 94-jährigen Maria Zylinska waren am Sonntag als Schreiben an die Besucher im Gemeindehaus in Oberlangen ausgelegt, weil die Zeitzeugin selbst zu ihrem Bedauern nicht an der Gedenkfeier teilnehmen konnte.

 

Den von ihr gewünschten Moment der Stille hatte es kurz zuvor gegeben, als Lathens Samtgemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber die Anwesenden gebeten hatte, sich kurz zu erheben und schweigend auch der Menschen zu gedenken, die Hunger und Gräueltaten der Lager nicht überlebt hatten. Mit Bürgermeister Georg Raming-Freesen hatte Weber zuvor einen Kranz am Gedenkstein niedergelegt wie auch die ehemaligen Gefangenen, der Generalkonsul der Republik Polen in Hamburg, Marian Cichosz, und Vizekonsul Marek Sorgowicki.

17 angereiste ehemalige Gefangene

Weber dankte den 17 angereisten ehemaligen Gefangenen, die ab Dezember 1944 in Oberlangen inhaftiert worden waren , für ihr Kommen. „Ich freue mich, dass Sie trotz des fortgeschrittenen Alters den weiten Weg auf sich genommen haben und wir Sie mittlerweile als Freunde begrüßen dürfen.“ Die Frauen waren Angehörige der polnischen Heimatarmee Armina Krajowa und beteiligt am Warschauer Aufstand Anfang Oktober 1944. Am 12. April 1945 wurden insgesamt 1728 Frauen durch ihre Landsleute, Angehörige der 1. Polnischen Panzerdivision, befreit. Auch Veteranen dieser Division waren zur Gedenkfeier ins Emsland gekommen.

Einen ausführlicher Beitrag über die Ereignisse vor 70 Jahren finden Sie hier.

„Der Missbrauch war schrecklich“

Über ihre persönlichen Erlebnisse erzählten die Vorsitzende der Gruppe „Oberlangen“, Eugenia Maria Cegielska, die Lathener Ehrenbürgerin Erna de Vries und Maria Zylinska. In deren Erinnerung lag Oberlangen „irgendwo im Nirgendwo. Dort waren schreckliche Männer und Frauen. Diese schossen über unsere Köpfe, einfach nur aus Spaß.“ Und, so die Zeitzeugin, „der Missbrauch war schrecklich, und wir hatten Hunger, aber wir haben nie aufgegeben.“

Eugenia Maria Cegielska bedankt sich für die friedliche, freundliche Atmosphäre, mit der die Bürger von Oberlangen ihre Gäste willkommen heißen. „Wir fühlen uns wohl“, übersetzte der Dolmetscher den Dank der Polin, die im Namen ihrer Mitreisenden sprach und dafür von ihnen Applaus und Bravo-Rufe erntete.

Als niedersächsischer Landtagspräsident richtete Bernd Busemann sich an die Besucher der Gedenkfeier: „Ich möchte meine persönlichen Gedanken mit dem Wort ,unglaublich‘ überschreiben.“ Es sei unglaublich, wie viel Elend das Naziregime hervorgebracht habe. Unglaublich sei auch, dass fast 2000 Frauen nach dem Warschauer Aufstand ins Emsland gebracht und dort von Landsleuten befreit worden seien. Unglaublich sei für ihn aber auch, dass diese Überlebenden heute als Freunde in einem vereinigten Europa wiederkehren. „Alle, die diese Erfahrung gesammelt haben, sollten zusammenstehen und den nächsten Generationen sagen, dass so etwas nie wieder geschehen darf.“

Das Programm hatte am Sonntagmorgen mit einem Besuch der Gedenkstätte in Esterwegen begonnen. Am Montag, 13. April, steht ein Besuch des Lagers V in Sustrum-Moor auf dem Plan. – Kranz niedergelegt: Gedenken an Befreiung des Lagers Oberlangen 

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